… zum Abgang.

Früher war das Wort Abgang nicht so stark belegt wie heute. Der Abgang fand auf der Bühne statt wenn ein Schauspieler die Bühne verließ. Nicht für immer, sondern einfach nur so, jetzt, sofort und unmittelbar. Heute hat das Wort eine ganze Menge Bedeutungen, die nicht unbedingt was miteinander zu tun haben müssen. Es gibt den finalen Abgang, meist zusammen mit dem finalen Abgesang, den Abgang im Sinne von Abflug „mach ma`n abgang alder“ und dann natürlich den sehr vielschichtigen Abgang bei der Degustation von alkoholischen Getränken. Das ist dann eher was Positives. Wenn ich vor dem prasselnden Kamin, den Jagdhund zur Seite und den Hermelin auf der Schulter, in meiner Fachliteratur zum schottischen Whisky lese, dann lese ich dort eine ungeheure Ansammlung von Geschmäckern, Gerüchen und sogar Angaben zur oralen Haptik, wenn es sowas überhaupt gibt. Das alles läuft alles unter Abgang. In dem Fall beschreibt das dann, was passiert, wenn der gute Tropfen heruntergeschluckt wurde. Die Explosion aus Kirsch-, Orangen-, Keks-, Schokoladen-, Süßholz-, Teer-, Heftpflaster- und Seetangaromen raubt einem die Sinne, oder es schmeckt halt einfach nach Whisky, das soll´s auch geben. Prost.

Wenn wir schon beim Abgang sind: Dies ist die letzte Ausgabe der Hohenwestedter Nachrichten in diesem Jahr. Die Zeitung war in 2014 noch einmal deutlich erfolgreicher als im ohnehin schon guten Jahr 2013. Damit war 2014 das erfolgreichste Jahr der Hohenwestedter Nachrichten seit Bestehen. Dafür möchte sich das ganze Team der Zeitung bei allen Lesern und Inserenten ganz herzlich bedanken. Im Januar geht es nach viel Gänsebraten, Bratapfel und Schokoweihnachtsmännern mit voller Kraft in ein neues Jahr der Hohenwestedter Nachrichten.

Und noch einen Abgang habe ich: Dies ist das letzte Vorwort aus meiner Feder in den Hohenwestedter Nachrichten. Nach genau 5 Jahren „Ein paar Worte“ und 8 Jahren Hohenwestedter Nachrichten konzentriere ich mich ab Januar auf die Dinge, die ich gelernt und studiert habe. Ich bedanke mich bei allen treuen Lesern der „Worte“ und verspreche den Nichtlesern, dass ab der nächsten Ausgabe an dieser Stelle was Wertvolleres und Sinnvolleres stehen wird.

Und Abgang…..

… zu halben Sachen.

Geteiltes Leid, sei halbes Leid, so sagt man. Kann aber auch doppeltes Leid sein, sage ich. Darum soll es hier aber gar nicht gehen. Halbe Sachen passieren manchmal, besonders wenn man keine Zeit oder keinen Platz hat. Wenn ich anfange mein Auto sauber zu machen, habe ich spätestens nach der Hälfte keine Lust mehr, das ist blöd, weil das Auto dann nur halb sauber ist. Beim halben Abitur ist es noch blöder, denn damit kann man gar nichts anfangen. Ich habe vor einer Woche an dieser Stelle auch nur halbe Arbeit geleistet, denn nachdem ich mich Eltern gewidmet hatte, die ihre Kinder durch Überbetreuung zur völligen Unselbstständigkeit erziehen, fiel mir ein, dass das nur die halbe Geschichte ist, hatte aber wegen des Vorstandswechsels in der Sparkasse einfach keinen Platz mehr, die Betrachtung zu vervollständigen. Da wir aber nur eine Woche Abstand zwischen dieser und er letzten Ausgabe der Hohenwestedt Nachrichten haben, möchte ich den Gedanken hier noch zu ende führen. Was nämlich für das Umfeld, und vielleicht auch für die Kinder, noch Schlimmer ist als Überbetreuung ist das genaue Gegenteil, die Nullbetreuung.

Da gibt es zwei Hauptgruppen. Zum einen die Eltern, die Kinder nur wegen des Kindergeldes in die Welt gesetzt haben oder nicht wussten, wie man das verhindern kann (das Kinder kriegen). Diese unbetreuten Kinder wachsen  mit teilweise sehr rustikalen Umgangsformen auf. Es gibt ein paar Stellen in Hohenwestedt an denen man sich nur unauffällig auf den Bürgersteig stellen muss und nach spätestens 10 Minuten ohne besondere Anstrengung durch ein geöffnetes Fenster einer Unterhaltung lauschen kann, die nicht nur für Feingeister so manche sprachliche Überraschung bereit hält.

Die zweite Gruppe von Eltern ist die, die ihre Kinder immer hübsch überall mit hinnehmen und meinen, nach dem Betreten eines Ladens, eines Restaurants oder der Wohnung guter Freunde ihre Schuldigkeit bei der Betreuung getan zu haben. Die stehen dann plaudernd herum und amüsieren sich während der Nachwuchs den Laden zerlegt und allen Anwesenden den Wunsch Kinder zu bekommen gründlich austreibt.

Kinder können laut sein, das weiß keiner besser als ich, sie können auch mal etwas sehr lebhaft sein, alles richtig, aber ohne Grenzen aufzuwachsen ist genau so unglücklich als im Käfig fliegen lernen zu müssen.

… zur Selbstständigkeit.

Keine Angst, ich stimme nicht das Klagelied der Selbstständigkeit an. Nein, es geht um die Selbstständigkeit von Kindern. Ich frage mich manchmal ob manche Eltern eigentlich eine Idee davon haben, wie ihr Kind einmal durchs Leben kommen soll, wenn man es ständig hätschelt, pflegt, in Schutz nimmt und alle Unbill des Lebens von ihm fern hält. Dieser Typus Eltern scheint sich momentan inflationär zu entwickeln. Die mischen sich in einer Weise in das Leben ihrer Kinder ein, dass man die Kleinen vor so viel falscher Zuneigung schützen möchte. Es hilft im späteren Leben nicht, wenn die Kleinen die lächerliche Auseinandersetzung um die Schaukel auf dem Spielplatz nicht mal selber lösen können und es hilft auch nicht wenn man den Kleinen durch das ständige Festhalten auf dem Klettergerüst zeigt, dass man keinen Cent Zutrauen in die Kletterfähigkeit des Kindes hat. Ach ja, und dann die Auftritte beim Elternabend in Kindergarten oder Schule. Vielleicht erleichtert es das eigene Schicksal zu ertragen, wenn man alle KiTa-Betreuer und Lehrer für Idioten hält, denen man notfalls mit dem Rechtsanwalt Benehmen beibringen muss. Nicht alle Kinder können die schlausten, bravsten, ehrlichsten und besten Kinder des Universums sein, diese Einsicht teilen natürlich alle Eltern, denn die anderen Kinder sind es ja auch nicht. Wie stand es letztes bei Spiegel Online: Überbehütung ist auch Vernachlässigung, so ist es. Liebe Eltern, die Ihr keinen anderen Lebensinhalt als Eure Kinder habt, entspannt Euch mal, Filius wird das sicherlich sehr zu schätzen wissen. Man kann nicht im Käfig fliegen lernen und irgendwann muss man in dieser bösen, bösen Welt selber zurecht kommen.

… zum Schwein haben.

Das geht jetzt hier nicht um Landwirte die haben manchmal mit etwas Schwein gleich beides, nämlich Schwein und Schwein, aber das nur nebenher. Nein, ich habe vor ein paar Tagen mal wieder darüber nachgedacht wie viel Schwein ich habe, dass mir nicht ständig ein Mikro vor der Nase hängt oder eine Kamera auf mich gerichtet ist. Manchmal rutscht einem im Eifer des Gesprächs mal was raus was nicht recht druckreif ist und dann freut man sich über das Schwein, das man hat, nicht prominent zu sein ist. Das dachte ich besonders bei dem Quark, den der Oberdiplomat Matthias Sammer wieder verzapft hat. Besser es wäre kein Mikro in der Nähe gewesen. Mit seiner Bemerkung zur Trainingsarbeit der anderen Bundesligavereine hat er zunächst mal alle anderen Vereine gegen sich und seinen Verein aufgebracht, was ihn nicht sonderlich stört, hat er ja schon öfter gemacht und schlau ist er auch nicht draus geworden. Was seinen Verein wohl mehr schmerzt ist,  dass er eine eigentlich ganz erfolgreiche Kommunikationskampagne seines Vereins unterlaufen hat. Denn waren die Bayern in den letzten Jahren immer ziemlich verhasst, haben sie es in den letzten Monaten einigermaßen geschafft sich da  etwas aus dem Schussfeld zu halten. Das ist auch ganz klug, denn noch nie haben sie so viel Angriffsfläche geboten wie heute.  Gut, der Aufsichtsratsvorsitzende der Bayern München AG, der sonst für die Schlagzeilen sorgt, hat zurzeit andere Probleme.  Ganz viel Steuern aus Versehen nicht bezahlt zu haben und die Folgen davon, sorgen beim Bratwurstmillionär momentan für ungewohnte Ruhe an der Medienfront.  Aber auch sonst war es auffällig ruhig im Umfeld des Vereins, der mit sehr viel Geld die Spitzenspieler des einzig ernst zu nehmenden Wettbewerbers weg kauft. So ist der Kapitalismus halt, was soll´s? Die Spanier und die Engländer haben diese Erfahrungen schon in ihrer Liga gemacht, warum nicht auch wir? Immerhin stellen “wir“ den aktuellen Champions League-Gewinner. Alles richtig gemacht.

 

Was an Sammers Bemerkung stört ist die hämische Aussage dahinter, denn eigentlich sagt er ja nichts über die Trainingsmethoden der anderen Vereine, die er ja im Detail gar nicht kennt, sondern eigentlich stinkt es ihm, dass die anderen nicht gegenhalten können. Da sie das mit Geld nicht können, sollen sie härter trainieren.  Natürlich weiß auch Sammer, dass die hohen Ergebnisse, sogar gegen die direkten Tabellennachbarn auf Dauer eine Katastrophe für die Liga sind. Knappe Meisterschaften sind immer viel attraktiver für die Liga und für die Zuschauer, das wirkt sich natürlich auch auf Nebenschauplätze wie Merchandisingeinnahmen und Übertragungsrechte aus. Titel sind nicht alles.

Solche Bemerkungen von einem zu hören, bei dem die eigenen sportlichen Erfolge auch schon sehr lange zurückliegen, erinnert sehr an den schönen Spruch “Eure Armut kotzt mich an“.

Die Kommunikationsagentur von Bayern München hat aber bestimmt empfohlen, dass er das lieber so gar nicht gemeint hat und deshalb konnte man in der Bild-Zeitung nun auch lesen, dass er das gar nicht so gemeint hat. Armer Matze, wieder falsch verstanden worden.

Und deshalb bin ich so froh, dass ich nur hier im Vorwort so richtig falsch verstanden werden kann, weil ich eben kein Mikro vor der Nase habe, wenn ich mal das Haus verlasse. Die eine oder andere ironische Bemerkung könnte mächtig falsch verstanden werden. Schwein gehabt.

… zum Verpulvern von Geld.

… zum Verpulvern von Geld. Ich habe mich ja schon oft geirrt, besonders bei Sachen von denen man als kleine Leuchte nicht so richtig was sagen kann. Man sieht und hört was gemacht worden ist und macht sich seinen Reim drauf, obwohl man überhaupt keinen Blick hinter die Kulissen werfen kann und von den eigentlichen Gründen, warum etwas gemacht worden ist, eigentlich keine Ahnung haben kann. Das ist aber menschlich, jeder hat seine Meinung, auch wenn er keine Ahnung hat. Davon, dass sie keine Ahnung haben, haben aber die meisten Menschen auch keine Ahnung. Das schützt etwas vor allzu viel Selbstkritik und sorgt dafür dass man dann doch zu allem und jedem eine Meinung haben kann.

Ich war von ein paar Jahren mal der Meinung, dass der Holtzbrinck Verlag mit dem Erwerb der Onlinedienste Schüler-VZ und Studi-VZ einen großen Schritt in Richtung Moderne getan hat. Guter Deal – dachte ich so. Ja, war es aber nicht, diese Plattformen sind dank Facebook, XING und Konsorten mittlerweile völlig bedeutungslos, das ganze Geld ist abgeschrieben. Schön, dass es nicht weg ist, nur eben wo anders.

Vor ein paar Tagen hat ein ehemaliger Student für fast 19 Milliarden Dollar eine Mobilfunk-App gekauft. Das sind 17,5 Milliarden mehr, als der geschätzte tatsächliche Wert dieser Firma. Mal ganz abgesehen davon, dass der größte Teil dieser 19 Milliarden in Facebook-Aktien gezahlt wird und ich mir neben Windenergie-Genussrechten kaum etwas Riskanteres als Facebook-Aktien vorstellen kann, ist es trotzdem eine unvorstellbar gigantische Summe für eine Software, hinter der eine Firma mit gerade mal 50 Mitarbeitern steckt. Nun hat Facebook leider nicht den allerbesten Ruf und nicht alle Nutzer von WhatsApp sind sehr glücklich darüber mit ihren Kurznachrichten, Videos und Fotos nun Teil der glücklichen Facebookfamilie zu sein, zumal WhatsApp erstmal das gesamte Adressbuch des Smartphones zu sich überträgt um es zu analysieren. Mein Adressbuch bei Zuckerburg? Ist mir nicht wirklich recht. Gegen die NSA kann ich mich nicht wehren, aber gegen die Datenkrake von Facebook schon. Was ist das Ergebnis? Am letzten Wochenende hat sich die Benutzerzahl eines relativ sicheren Schweitzer Konkurrenzprodukts an einem Tag verdoppelt und am Samstag ist der gesamte weltweite Traffic von WhatsApp für vier Stunden ausgefallen. Ein vergleichbarer europäischer Dienst hat gemeldet, in den vier Stunden fast 1,9 Millionen neue Nutzer bekommen zu haben. Da werden jetzt, so kurz nach der Hochzeit, wohl ein paar Leute schon nervös. Sollte es doch nicht der Deal des Jahrhunderts gewesen sein?

Nachdem einige deutsche Datenschützer, unser Landes-Datenschutzbeauftragter gehört auch dazu, vor der Verwendung von WhatsApp in der Zukunft  gewarnt haben, muss man mal sehen, wie “die Straße“ darauf reagiert. Es machen zu viele bei WhatsApp mit und es ist so schön bequem und billig.

Ich glaube ich werde auch ein Start-Up gründen und irgendwas erfinden, die Chance damit reich zu werden scheinen deutlich besser als im Lotto zu gewinnen, es muss nur noch die richtige Idee her….

… zu nichts Bestimmten.

Du musst noch ein Vorwort schreiben, sagte ich heute Morgen zu mir. Schreib doch mal was Nettes, sonst denken die Leute noch Du bist negativ, sagte ich zu mir. Dann fiel mir aber ein das “nett“ die hübsche Schwester von <pieeeep> ist und schon waren die ganzen guten Vorsätze wieder hin. Nach relativ viel Zuspruch zum letzten Vorwort zur wilden Entsorgung von Müll muss man auch feststellen, dass es auch viel besser ankommt, Finger in irgendwelche Wunden zu legen als über bunte Blümchen und flauschige Häschen zu schreiben.

Man muss nur aufpassen, dass man nicht alles schwarz sieht, denn wo viel Schatten ist, da muss auch viel Licht sein. Sauron sieht das vielleicht anders, aber ich glaube  wissenschaftlich betrachtet ist da was dran. Also den Fernseher eingeschaltet und maximalen Schatten gewählt um viel Licht zu finden.  Nach 5 Minuten “Die Geissens“ hatte ich ganz viel Schatten gefunden, das Licht konnte ich nicht mehr finden, mir war schlecht geworden. Ich frage mich seit meiner ersten Begegnung mit Carmen und Robert Geiss, ob es sowas wie die wirklich gibt, oder ob wir mit diesen “Menschen“ mit allen denkbar schlechten Eigenschaften plus Geld nicht grandios vera(lbert) werden. Bei solchen Sendungen mit viel Fremdschämpotenzial von denen es ja mittlerweile echt viel gibt, grüble ich über die Botschaft, die uns da gesendet werden soll. Gut, Frauentausch ist ja kein Schulfernsehen aber müssen die ganzen niederen Instinkte, die bei solchen Sendungen angesprochen werden wirklich auch angesprochen werden? Eine der wichtigsten Fragen seit dem Einsatz von Giftgas im ersten Weltkrieg  ist und bleibt: Ist es legitim alles zu machen, nur weil man es kann? Die Frage ist beim Fernsehen genauso interessant wie bei 9/11, der totalen Überwachung durch die NSA oder bei der Genforschung.

Mit der aktuellen Diskussion um das Dschungelkamp hat man sich aber das falsche Sendeformat zur Diskussion ausgesucht. Hier machen sich Medienprofis zum Deppen und bekommen Geld dafür. Sie mögen abgehalftert sein, aber sie wissen genau was sie tun und sie wägen ab, ob es den Preis wert ist. Das ist o.k. Das Gleiche gilt natürlich für die Geissens, wenn es sie wirklich gibt….

Beim Frauentausch und DSDS werden aber Leute ins Rampenlicht gezerrt, die die Folgen überhaupt nicht abschätzen können. Manche besonders peinlichen Situationen leben nach der mehrfachen Verwurstung durch die Sender noch Jahre später bei YouTube weiter und führen ein Eigenleben.

Ach guck mal, das Vorwort ist ja schon fertig.  Supi, dann kann ich mich ja wieder damit beschäftigen  positiv zu denken. Eine amerikanische Studie hat nämlich rausgefunden, dass positiv denkende Leute länger leben. Wenn ich mit dem Studium fertig bin, höre ich auch auf hier Vorworte zu schreiben, das interessiert dann ja keine Sau mehr.

www.einpaarworte.de

… zu Sehschwäche.

Kurzsichtigkeit kann ein Geschenk sein, kommt drauf an was sich für ein Anblick bieten würde, könnte man alles in Gänze und voller Schärfe sehen. Das haben sich wohl auch die Teilnehmer der Klimakonferenz in Warschau gedacht. Könnten sie sehen, was man mit etwas Weitsicht relativ klar erkennen kann, dann hätten sie vielleicht ein paar Entscheidungen getroffen, die den Namen “Entscheidung“ auch verdienen. Am Ende kann man nur feststellen, dass wieder ein paar Jahre nutzlos ins Land gehen, weil die Menschheit eben nicht im Ganzen denken kann, sondern jedes Land, jeder Glaube, jede Nationalität ihre eigene Suppe kocht und jeder seine eigenen Prioritäten setzt. Hier bei uns kommt eine relativ sichere geografische Lage mit sehr großem Wohlstand zusammen und dann sehen die Umweltschutzpläne eben ganz anders aus, als wenn das Leben ständig von Umweltkatastrophen bedroht wird. Die Chinesen sehen sich beim Umweltschutz noch als Entwicklungsland, bei anderen Fragen aber als führende Industrienation. Das kennt man aus dem Privatleben, an einem Tag kann man vor Kraft nicht laufen, am anderen ist man die personifizierte Schwäche. Beim Angeben kann der Erfolg nicht groß genug, das Auto nicht fett genug sein, beim Ausfüllen  der Steuererklärung muss man die Tränen zurückhalten, so arm hat man sich gerechnet. Das muss einem bayerischen Wurstfabrikat letztens auch so gegangen sein.

Es ist zu befürchten, dass der Mensch es nicht lernen wird, dass er beim Umweltschutz keine nationalen, sondern letztlich nur globale Interessen hat. Die einen trifft es früher, die anderen später, aber treffen wird es früher oder später alle und dann werden ein paar unangenehme Frage zu beantworten sein. Man wird dann nicht mehr wie die Kriegsgeneration  sagen können, wir haben davon nichts gewusst.   Man wird sagen müssen, wir wollten es nicht wissen.

… zur guten alten Zeit.

In der letzten Woche ging ein Bericht eines Familienvaters durch die Medien, der seiner Familie ein Jahr wie “1986“ verordnet hat. Blair McMillan aus Kanada bedauerte, dass seine Kinder vieles nicht mehr so erleben, wie er in seiner Kindheit und überlegte, ob man es heute noch hin bekommt, wie 1986, dem Jahr seiner Geburt zu leben. Ein interessantes Experiment, besonders für die Kinder. Kein Handy, keine DVDs, keine Videospielkonsole, zumindest keine moderne, und vor  Allem kein Internet. Telefonnummern werden aus dem Telefonbuch rausgesucht und die Urlaubs- und Ausflugstouren werden mit Landkarte und ohne Navi absolviert. Der Video- und der Kassettenrecorder  ersetzt die Mediensammlung auf der Festplatte. Eine ziemlich gute Idee, natürlich etwas extrem, aber zum Nachdenken  ganz gut geeignet.

Die Stimmen mehren sich doch langsam, dass die ewige Erreichbarkeit und die Flut an oberflächlicher Kommunikation zusehends nervt.  Gerade letzte Woche habe ich eine Statistik gelesen die besagt, dass ein Drittel der Deutschen auf das Smartphone des Partners eifersüchtiger sind, als auf mögliche Nebenbuhler aus Fleisch und Blut. Klar, manche verbringen deutlich mehr Zeit mit dem technischen Spielzeug, chatten, mailen und simmsen mit Leuten, die sie teilweise in Echt gar nicht kennen und suchen nebenher über eine Mobile Dating App auch noch einen Partner, der vielleicht besser passt als der aktuelle.  War früher alles besser? Nein, aber manches war gut und manches ist heute schlecht oder nervt kolossal.

… zu Ammenmärchen.

Es ist manchmal besser, man lässt das Radio beim Autofahren einfach aus. Ich fahre ganz entspannt auf der B430 gen Heimat und höre auf NDR Info einen Bericht über das Fahrverbot von Frauen in Saudi-Arabien. Alle Frauen haben dort einen männlichen Vormund und es gibt öffentlich Haue, wenn die Frauen trotzdem fahren und Ärger für den männlichen Vormund gibt es auch gleich noch mit, weil er nicht aufgepasst hat. Das passt den Frauen da nicht und deshalb protestieren sie dagegen, obwohl es dafür auch Haue geben kann.  Nun sagt ein bedeutender Scheich in Saudi-Arabien, dass das ja alles schön und gut ist, aber das (selber) Autofahren nicht gut  für die Gebährfähigkeit der Frauen wäre. Der Beweis: In Mitteleuropa fahren die Frauen Auto und die Geburtenrate ist viel niedriger als in Saudi-Arabien. Na wenn das keine einleuchtende Beweisführung ist. Als ich das gehört habe, wäre ich fast in den Graben gefahren. Das war NDR Info und es war nicht der erste April. Das erinnert dann doch stark an die Befürchtungen bei der Einführung der Eisenbahn. Die zentrale Aussage des um das Jahr 1835 erstellten Gutachtens bestand darin, Reisen mit der Eisenbahn sei gesundheitsschädlich und sollte verboten werden. „Ortsveränderungen mittels irgend einer Art von Dampfmaschine sollten im Interesse der öffentlichen Gesundheit verboten sein. Die raschen Bewegungen können nicht verfehlen, bei den Passagieren die geistige Unruhe, ‘delirium furiosum’ genannt, hervorzurufen.“

Dieses Delirium gibt es natürlich auch bei Autofahrern, allerdings meistens bei männlichen. Man sollte ja meinen, dass solcherlei Unsinn (das mit den autofahrenden Frauen und der Gebährfähigkeit) heute  nur noch hinter sehr fest verschlossenen Türen geäußert werden darf, aber die Scheichs sehen das wohl anders. Na dann freuen wir uns einfach mal auf die Fußball WM in Katar, da weht ja ein ähnlicher Wind.

… zum Leihen.

Kennen Sie das? Sie verleihen was an einen guten oder vielleicht auch nicht so guten Freund und irgendwann, Monate oder Jahre später merken sie das was fehlt. Sie erinnern sich, dass sie das mal verliehen haben und auch an wen. Und nun? Nachfragen ist nach Jahren ja auch peinlich, denn offenbar haben sie das Teil ja nicht sonderlich vermisst. Wenn sie dann doch nachfragen, dann trifft man häufig auf teilweise Amnesie. Der Freund kann sich an diese Kleinigkeit einfach nicht mehr erinnern oder er mag sich nicht erinnern, weil der geliehene Gegenstand mittlerweile aufgrund starker Benutzung oder schlechter Lagerung etwas gelitten hat. Dann stellt sich die Frage nach Zurückgeben oder hartnäckiger Leugnung, dass man es noch hat. Alles irgendwie unangenehm.

Das erinnert mich an das alte indianische  Sprichwort: “Wir haben die Erde nicht von unseren Eltern geerbt, sondern von unseren Kindern geliehen“.  Ich muss immer daran denken, wenn mal wieder eine der vielen Meldungen in den Nachrichten kommt, die uns eigentlich deutlich machen sollte, dass es so nicht weitergehen kann.

Konkret habe ich gerade mal darüber nachgedacht, weil die unfassbar hohe Verschmutzung der Weltmeere, aber auch großer Binnengewässer, mit Plastikmüll  eine Form angenommen hat, die nicht mehr ignoriert werden kann. Der Müll findet sich in den Mägen von diversen Meeresbewohnern, die daran verenden oder einfach schwimmend an der Oberfläche der Gewässer. Das ist aber ja erst der Anfang. Der Müll wird durch Brandung und Gezeiten in so kleine Partikel zerrieben, dass er die Größe von Plankton erreicht und auch so auch aufgenommen wird. Wir werden jetzt schon Teile unseres Mülls als Fischfilet auf dem Teller haben, das wird aber sicherlich noch deutlich mehr. Vielleicht denkt der Eine oder Andere an den Fisch, wenn er das nächste Mal zur Kekspackung mit den einzelnen in Folie eingeschweißten Keksen greift.

Wir müssen das Leihgut noch zurückgeben….